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In dieser Übersicht finden Sie alle Gemeinden, die zur Pfarrei Hl. Edith Stein Schifferstadt gehören.

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Pfarrer Ernst Ripplinger - ein Seelsorger mit sozialer Verantwortung

In der über 900jährigen Geschichte der Pfarrei St. Jakobus gab es viele Pfarrer, die über ihren seelsorgerischen Dienst hinaus Verantwortung für die ganze Gemeinde übernahmen.

Bischöfl. Geistl. Rat und Dekan Pfarrer Ripplinger nimmt darunter eine herausragende Position ein.
Seine Amtszeit Ende des 19. Jahrhunderts, mitten im Übergang von der bäuerlichen in die industrielle Gesellschaft, war geprägt von Fürsorge für die Menschen und der Gründung sozialer Einrichtungen, die in Schifferstadt wegweisend waren und bis heute Bestand haben.

1899 wurde Pfarrer Ripplinger das Ehrenbürgerrecht von Schifferstadt verliehen.

Pfarrer und Geistlicher Rat Ernst Ripplinger

Pfarrer und Geistlicher Rat Ernst Ripplinger
1829 Geboren in Kaiserslautern
1854 Priesterweihe in Speyer
1883 Pfarrer in Schifferstadt
1892 Gründung des Darlehnskassen-Vereins
1893 Gründung des Pfarr-Cäcilienvereins
1897 Gründung des Elisabethenvereins
1898 Bischöflicher Rat
1899 Ehrenbürger von Schifferstadt
1901 Gründung des Gesellenvereins (Kolpingsfamilie)
1905 Gestorben in Schifferstadt

Pfarrübernahme in schwieriger Zeit

Ernst Ripplinger wurde vom 17. September 1829 als zweites von insgesamt fünf Kindern in Kaiserslautern geboren. Die Eltern stammten aus bescheidenen Verhältnissen. Sein Vater, von Beruf Maurer, war mit seiner Frau Elisabeth aus Engenbach in die aufstrebende Stadt gezogen, wohl in der Hoffnung auf einen Arbeitsplatz. Was die Eltern bewogen hat, den Sohn auf das Gymnasium zu schicken, kann nicht mehr ermittelt werden, aber bei dem spärlichen Einkommmen des Vaters ergaben sich daraus für die Familie bestimmt beachtliche Probleme.

Die Priesterweihe erfolgte am 20. August 1854 in Speyer. Danach folgten Kaplansstellen in Landau, Neustadt und Hambach. Bevor er im fortgeschrittenen Alter von 54 Jahren im Januar 1883 die Pfarrei St. Jakobus übernahm war er Pfarrer in Niederschlettenbach, Annweiler und Rheinzabern.

Pfarrer Ripplinger kommt bei seinem Amtsantritt in eine Pfarrei, die eine der größten im Bistum Speyer ist. Das Dorft Schifferstadt hat zu diesem Zeitpunkt ca. 4.600 Einwohner und ist noch weitgehend von der Landwirtschaft geprägt, die Jahrhunderte lang die einzige Ernährungsgrundlage war. Erst mit dem Bau der Eisenbahn 35 Jahre zuvor und der einsetzenden Industrialisierung in den Städten hat ein nachhaltiger Strukturwandel eingesetzt, der aus dem Bauerndorf langsam aber sicher ein Arbeiterbauerndorf macht.

Da er als Pfarrer in verschiedenen Pfarreien nicht nur in der Seelsorge, sondern auch in der Administration genügend Erfahrungen sammeln konnte (Kirchenneubau in Annweiler, Kirchenrestaurierung und Bau eines Armenhauses mit Einführung der Barmherzigen Schwestern in Rheinzabern), dürfte er trotz seines Alters in der Führung der Pfarrei St. Jakobus keine Probleme gesehen haben. Unter seiner tatkräftigen Mitwirkung wird in den ersten Jahren seiner Amtstätigkeit das schon seit Jahrzenten geplante Pfarrhaus gebaut. Das repräsentative Bauwerk, im Stil italienischen Renaissance-Villen angeglichen, dokumentiert hoheitlichen Anspruch und ist einer so großen Pfarrei wie St. Jakobus angemessen.

Vielleicht hatte er die Situation in der "großen und schwierigen Pfarrei" - so ein Amtsvorgänger - doch nicht recht eingeschätzt, denn nach fünf Jahren, nahezu 60 Jahre alt, denkt er zwar nicht an den Ruhestand, aber er bittet den Bischof im August 1888 um Versetzung nach Ruppertsberg. Als Begründung gibt er an, dass die Pfarrei in sechs Jahren stark gewachsen ist, die Schulen allein von 9 auf 14 Klassen und dementsprechend auch die Mehrarbeit der Seelsorge. Selbst mit einem zweiten Kaplan wäre für eine so große Pfarrei ein junger Pfarrer nötig, führt er weiter an (ein zweiter Kaplan wurde 1890 genehmigt). Auch dass ihn seit vier Jahren Rheumatismus plagt und das Leben schwer macht ist für ihn ein Grund, in einer kleineren Pfarrei tätig zu werden. Was ihn dann bewogen hat zu bleiben, ist nicht bekannt. Der Grund war vielleicht die schnell anwachsende Arbeiterschaft in Schifferstadt, gegenüber der er eine größere soziale Verantwortung der Kirche sah als bei der Bevölkerung im ländlichen Raum.

Die kirchliche, sozialpolitische und gesellschaftliche Situation in jener Zeit ist durch die Industrialisierung, die einen grundlegenden Wandel einleitete, alles andere als leicht. Arbeitslosigkeit, fehlende soziale Absicherung bei Krankheit und im Alter, geringe Arbeitslöhne, Sonntagsarbeit, lange Arbeitszeiten usw. sind an der Tagesordnung. Die Folgen davon sind Armut, schlechte Wohnverhältnisse, Auflösung der Großfamilien, Verwahrlosung von Kindern und Jugendlichen, religiöse Gleichgültigkeit und Rückgang des kirchlichen Einflusses.

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