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In dieser Übersicht finden Sie alle Gemeinden, die zur Pfarrei Hl. Edith Stein Schifferstadt gehören.

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Gedenkfeier am Hauptbahnhof für Edith Stein und alle weiteren Opfer

In diesem Jahr fand die Feier auf dem Bahnhofsvorplatz statt.

Zur Erinnerung an alle Menschen, die vor 75 Jahren ins Vernichtungslager deportiert wurden.

Eine große Resonanz hatte am Montagmittag, 07.08.2017 die ökumenische Gedenkfeier am Schifferstadter Hauptbahnhof. Denn an diesem Tag vor 75 Jahren hielt gegen 13 Uhr ein Transportzug auf dem Weg zum Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau mit insgesamt 987 Gefangenen kurz an Gleis 3 an, in dem sich auch die Heilige Edith Stein, damals katholische Ordensschwester Teresia Benedicta vom Kreuz, befand.

„Jedes Jahr treffen wir uns hier am Bahnhof, aber niemand weiß, warum der Zug damals hier gehalten hat. Denn dazu steht nichts in den Fahrplänen oder sonst irgendwo. Die Frage nach dem Warum bleibt in diesem Fall offen“, meinte Reverend Dr. Joachim Feldes von der Anglikanischen Gemeinde Rhein-Neckar in seiner Begrüßung am Bahnhofsvorplatz und nicht direkt an Gleis 3, da zur Zeit Schotterarbeiten auf Gleis 2 durchgeführt werden und daher mit erheblicher Staub- und Lärmbelastung zu rechnen war.Mitgestaltet wurde diese Gedenkfeier von Pfarrer Dr. Georg Müller von der Pfarrei Heilige Edith Stein, Bischof Gerhard Meyer von der Anglikanischen Kirche Deutschlands, Pfarrerin Barbara Abel-Polack von der Evangelischen Kirchengemeinde und Vertreter vom Schifferstadter Bündnis für Toleranz.

Diese Frage nach dem Warum geselle sich zu den vielen offenen Fragen, die sich täglich stellen: Wenn ein Schicksalsschlag eintrifft, wenn von jetzt auf nachher ein Angehöriger gepflegt werden müsse, der Arbeitsplatz verloren gehe oder wenn ein Familienmitglied nicht mehr da sei. „Es sind Krisenzeiten wie diese, die unser Leben immer wieder durchziehen, die unserem Leben eine Entwicklung geben, die uns aus der Bahn zu werfen drohen“, so Dr. Joachim Feldes. Es seien aber auch die Krisenzeiten der Gesellschaft, die nach Antworten suchen würden. Edith Stein aber habe sich den Krisenzeiten der damaligen Gesellschaft gestellt, wie es aus ihrem Vortrag „Notzeit und Bildung“, den sie zehn Jahre vor den Begegnungen am hiesigen Bahnhof, gehalten habe.

Es war am 18. Mai 1932 gewesen, in einer Zeit, in der die Weltwirtschaftskrise voll durchgeschlagen hatte, Millionen um ihren Arbeitsplatz brachte, Familien auf harte Proben stellte und viele ihre Wurzeln verloren hatten. „Wir haben uns auf eine lange Notzeit einzustellen, die uns viel abverlangen wird“, meinte sie. Da werde es darauf ankommen, dass die Kirche den Menschen das gebe, was sie habe, nämlich materielle und ideelle Unterstützung, was aber dennoch nicht ausreiche. „Wir müssen den Menschen das geben, was wir sind“, hob sie damals hervor. Dies seien authentische, glaubwürdige Zeugen, Menschen, die sich rufen und sich von Gott senden ließen. Glaubwürdig authentisch würden Menschen aber nur, wenn sie sich auf Gott ausrichten würden, die transparent seien für Gott, so dass erkennbar sei, dass Gott wirklich ein Herz für die Welt habe. Natürlich könne man nicht an allen Krisenherden gleichzeitig sein, aber auch wenn Krisen überhand nehmen würden, gelte die Forderung nach authentischen Zeugen. Das habe für sie auch kurz nach Kriegsbeginn 1939 gegolten. Doch mit Gott verbunden sei man an allen Fronten und Stätten des Jammers, da sei man Arzt, Krankenschwester, Priester. Und dies sei die Stelle, an der sich die Frage nach dem „Warum“ nach dem „Wozu“ wandelt. Wo die Erkenntnis aufkomme, dass es weniger darum gehe, das „Warum“ zu beantworten, als das „Wozu“. Darauf hätten auch die Zeugen am 7. August Antwort gegeben. „Sie werden aktiv in einer Situation, die sie überrascht und herausfordert. Wozu bin ich hier ? Ich bin hier, um zu tun, was zu tun ist, jetzt und hier“, erläuterte der Reverend. Nämlich der Welt zu erzählen, was sie damals erlebt hatten, um es mit anderen zu teilen.

Die Gedenktafel am Bahnsteig.

Bischof Gerhard Meyer unterlegte dies mit einem Bericht des damaligen Augenzeugen, Kaplan Ferdinand Meckes, der zu der Zeit auf Gleis 5 auf seine Weiterfahrt wartete und mit Schwester Teresia Benedicta ein kurzes Gespräch aus dem Güterwaggon führen konnte.

Die Edith-Stein-Stele vor der St. Laurentiuskirche

Pfarrerin Barbara Abel-Pohlack ging in ihren Fürbitten auf das kostbare, einmalige und von Gott geschenkte Leben ein, das oft sinnlos zerstört werde und gedachte derer, die hilflos ausgeliefert, gequält und der Willkür von anderen ausgesetzt, sterben müssen, weil andere es so wollen. Dieses Grauen dürfe sich niemals wiederholen. Deshalb erbat sie Mut und Tatkraft, um das Unrecht beseitigen zu helfen, Nüchternheit und Geduld, um das Unrecht nicht noch größer zu machen und das Erkennen der Verantwortung, um Aufgaben übernehmen zu können.

In diesem Jahr war der Bahnsteig wegen Bauarbeiten gesperrt; der Ort der Gedenktafel war trotzdem mit Blumen geschmückt.

Pfarrer Dr. Georg Müller bat im Gebet darum, auf Gott zu harren, auch wenn die Seele noch so betrübt sei und sprach ein eindrucksvolles Segensgebet von Edith Stein.
Christian Matthes von der Pfarrei Heilige Edith Stein erinnerte zum Abschluss der Ökumenischen Gedenkfeier auf dem Bahnhofsvoplatz, dass von diesem Transportzug mit 987 Menschen 315 Männer und 149 Frauen ins Lager nach Auschwitz-Birkenau gekommen seien und weitere 523 Menschen direkt in der dortigen Gaskammer landeten. Danach gingen alle zum Gleis 3, wo zwei rote Rosen niedergelegt und eine Kerze entzündet wurde. Mit einem Gebet, dem Segen und einem für Schwester Teresia Benedicta verfassten Text nach der Melodie „Beim letzten Abendmahle“ wurde nicht nur ihr sondern den Millionen von Menschen, die dieses grausame Schicksal teilen mussten, noch einmal gedacht.

Text: Inge Schade, Bilder: Christian Matthes

Text zur Gedenkfeier am 07.08.2017.

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