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Gedenkfeier am Hauptbahnhof für Edith Stein und alle weiteren Opfer

"Es darf niemals zugelassen werden, dass sich dieses Grauen wiederholt"

"In den letzten Jahren hat unsere Gedenkfeier immer größere Kreise gezogen, wofür wir sehr dankbar sein müssen", meinte Reverend Dr. Joachim Feldes von der Anglikanischen Gemeinde Rhein-Neckar am Mittwoch, 7. August, zu deren Beginn am Hauptbahnhof um 12.45 Uhr. Die Rede ist vom letzten Lebenszeichen Edith Steins, die sich an diesem Tag mit dem Transportzug auf dem Weg zum Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau befand. Sie war eine der 987 Gefangenen des Deportationszuges, der an diesem Tag gegen 13 Uhr am Hauptbahnhof Schifferstadt anhielt. "Wir erinnern uns, welchen Platz sie in dieser Welt eingenommen hat und auf welche Weise sie zur Glaubenszeugin für uns geworden ist", hob Pfarrer Michael Erlenwein hervor.

In seiner Ansprache erinnerte Dr. Joachim Feldes daran, dass es im Leben immer wieder Situationen gäbe, in denen man sprachlos sei und einem die Worte fehlten. Das sei früher nicht anderes gewesen. Auch nach dem ersten Weltkrieg herrschte bei den Menschen oft Rat- und Sprachlosigkeit, da sie nicht wussten, wie es weitergehen sollte. "Die Stimmung war geprägt von Enttäuschung, Schuldgefühlen, Hass und Angst", so der Reverend. In solch einer Situation brauche man kein Gegeneinander und kein Nebeneinander sondern ein gutes Miteinander, damals wie heute. "Denn es ist wichtig, die Menschen so zu verstehen, wie sie sind und warum sie so sind", hob er hervor. Diese Auffassung habe auch Edith Stein vertreten, denn Polemik sei ihr zuwider gewesen, da sie nicht zur Verständigung sondern zur Abgrenzung beitrage. Es sei leicht und eine große Versuchung, in Situationen der Sprachlosigkeit einfach nur dem anderen die Schuld zu geben. Doch mit einem Gespräch könne es ein neuer Anfang werden. Deshalb appellierte er, wie Edith Stein die Sprache nicht zu verlieren, um der Menschen und der Welt willen. "Wir sollten auch aus der Liebe zu Jesus und zu den Menschen in die Orte der Sprachlosigkeit gehen, um Isolation und Echoblasen aufzubrechen, um das Schweigen zu überwinden und gute, heilsame Gespräche zu ermöglichen", so seine Hoffnung.

Pfarrer Dr. Georg Müller unterlegte diese Ausführungen mit dem von Edith Stein im Jahre 1939 geschriebenen Gebet "An Gott den Vater".

Michael Binder, Hirte im priesterlichen Amt der Neuapostolischen Kirche, leitete zum gemeinsamen Gebet "Vater unser" über.

Christian Matthes von der Pfarrei Heilige Edith Stein und Mitorganisator der Gedenkfeier, erinnerte an den Augenzeugen Valentin Fouquet, der als Bahnhofsvorsteher an diesem Tag kurz mit Edith Stein gesprochen habe. Er ließ aber auch nicht unerwähnt, dass mit diesem Transportzug 315 Männer und 149 Frauen ins Lager nach Auschwitz-Birkenau gekommen seien und weitere 523 Menschen direkt in der dortigen Gaskammer landeten. "Diese Geschichte spricht für sich", so Christian Matthes. Wie Edith Stein seien Millionen von Menschen gestorben. "Es darf niemals zugelassen werden, dass sich dieses Grauen wiederholt", ermahnte er.

Zum Gedenken an diesen Augenblick vor 77 Jahren wurde abschließend eine Rose vor der Gedenktafel zwischen den Gleisen 2 und 3 niedergelegt und an alle Opfer gedacht, die das gleiche Schicksal wie Edith Stein teilen mussten.

Bericht und Fotos: Inge Schade

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