Du stellst meine Füße auf weiten Raum

Das Misereor-Hungertuch 2021 - gestaltet von der Künstlerin Lilian Moreno Sánchez.

DU STELLST MEINE FÜßE AUF WEITEN RAUM - DIE KRAFT DES WANDELS

Die Corona-Krise trifft uns alle, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß. Unsere Räume sind eng geworden. Das Virus hat überall auf der Welt unsagbar große Opfer gefordert und unsere Gewissheiten erschüttert.

Die Corona-Krise ist die erste globale Pandemie dieses Jahrtausends und sie trifft die Länder des Südens härter als uns. Nutzen wir das Fenster, das sich gerade öffnet, den "weiten Raum", der sich auftut, um den Blick hin zu neuen Perspektiven und der Idee des Wandels zu öffnen. Eine andere Welt ist möglich.

Basis des Bildes ist ein Röntgenbild, das den gebrochenen Fuß eines Menschen zeigt, der in Santiago de Chile bei Demonstrationen gegen soziale Ungleichheit durch die Staatsgewalt verletzt worden ist.

Das Bild ist auf drei Keilrahmen, bespannt mit Bettwäsche, angelegt. Der Stoff stammt aus einem Krankenhaus und aus dem Kloster Beuerberg nahe München. Zeichen der Heilung sind eingearbeitet: goldene Nähte und Blumen als Zeichen der Solidarität und Liebe. Leinöl im Stoff verweist auf die Frau, die Jesu Füße salbt (Lk 7,37f) und auf die Fußwaschung (Joh 13,14ff).

die Würde der Menschen:
der aufrechte Gang
auf Füßen die tragen
und brechen
und heilen

Blumen
hast Du ausgestreut

unbeirrt
mit Narben und auf Krücken

folgen wir
dieser goldenen Spur.

aus: Meditationen zum Hungertuch 2021,
Best-Nr. 2 118 21, € 2,50

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Die Künstlerin Lilian Moreno Sánchez

"Eine andere Welt ist möglich. Diese Hoffnung möchte ich verbreiten."

Lilian Moreno Sánchez, geboren 1968 in Buin/Chile, studierte Bildende Kunst an der Universität von Chile in Santiago de Chile und kam nach ihrem Diplom durch ein DAAD-Stipendium nach Deutschland, wo sie ihre Studien an der Akademie der Bildenden Künste in München fortsetzte; seit Mitte der 90-er Jahre lebt und arbeitet sie in Süddeutschland.

Ihre Kunst durchbricht die Oberflächlichkeiten des Lebens und kreist, die Erfahrungen während der chilenischen Militärdiktatur verarbeitend, um Leid und seine Überwindung durch Solidarität. Oft verarbeitet sie Röntgenbilder und trägt ihre Zeichnungen auf Krankenbettwäsche auf. Lilian Morenos Werke bleiben nicht bei der Passion stehen: Über aller Realität steht auch schon die Verklärung.

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MISEREOR-Hungertuch:
Du stellst meine Füße auf weiten Raum - Die Kraft des Wandels

In dem Psalm, auf den sich das neue MISEREOR-Hungertuch der Künstlerin Lilian Moreno Sánchez bezieht, heißt es "Du stellst meine Füße auf weiten Raum".
In der Corona-Krise sind die Räume eng geworden. Corona hat Freiheiten eingeschränkt und Lebensstile verändert. Doch es sind auch Möglichkeiten sichtbar geworden, wie wir bewusster, solidarischer, ökologisch sinnvoller leben und handeln können. MISEREOR und Brot für die Welt setzen mit diesem Hungertuch in der Fastenzeit 2021 ein Zeichen für die Ökumene: Gemeinden beider Konfessionen nutzen das Bild und machen Mut, weiter an der Einen Welt zu bauen.

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Lied: Du stellst meine Füße auf weiten Raum

Lied zur Misereor Hungertuch-Aktion 2021
Text: Helmut Schlegel ♦ Musik: Joachim Raabe
© Dehm Verlag, Limburg; www.dehm-verlag.de

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Das Hungertuch in unserer Pfarrei

Es ist eine gute Tradition, dass das jeweilige MISEREOR Hungertuch auch in unserer Pfarrei Hl. Edith Stein in Schifferstadt zur Aufstellung kommt. Einige der bisherigen Hungertücher schmücken die Wände der Herz Jesu Kirche.

Das diesjährige Hungertuch steht großformatig in der Herz Jesu Kirche (Salierstr. 104) und kann zu den Öffnungszeiten gerne betrachtet werden.

Gleichzeitig plant der Ökumeneausschuss in der Fastenzeit noch musikalische Andachten, in denen das Hungertuch im Mittelpunkt stehen soll. Nähere Informationen dazu folgen in Kürze auf der Startseite unserer Homepage.

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Impulse, Gedanken - zum Weiterstöbern

Impuls von Dr. Claudia Kolletzki, Aachen

Was können wir mit unseren Füßen nicht alles machen! Unsere Füße tragen uns. Sie geben festen Stand. Wir marschieren und stampfen protestierend auf. Beim Spielen und Tanzen drücken wir mit ihnen unsere Freude aus und beim Pilgern lassen wir uns in die Weite Gottes tragen: "Du stellst meine Füße auf weiten Raum" heißt es in Psalm 31,9.


Das Hungertuch als Wegweiser auf der Straße von P. Christian Herwartz SJ, Berlin

Hungrig auf eine Zukunft mit Hand und Fuß

Wenn wir etwas Neues mit den Händen schaffen, dann vergessen wir oft die uns tragenden Füße. Bei einem Kind oder einer Geliebten streicheln wir sie noch; beim Tanzen drücken wir mit ihnen unsere Freude aus, und beim Pilgern lassen wir uns wie Israel aus dem babylonischen Exil in die Weite Gottes tragen: "Du stellst meine Füße auf weiten Raum." Psalm 31,9.

Standpunkt von Prof. Dr. Daniel Pilario CM

Gehen als prophetischer Widerstand

Unsere Füße stehen in Beziehung zu den Werten von Freiheit, Hingabe und Glück. Wir gehen, um Entspannung bei einem gemächlichen Spaziergang oder einen neuen Sinn während einer langen Pilgerreise zu erfahren. Aber nicht alle Füße schreiten mit Absicht und Freude. Nicht jeder Spaziergang führt uns zu hoffnungsvollen Horizonten.


Kurze Lesehilfe von Dr. Claudia Kolletzki, MISEREOR

Das dreiteilige Hungertuch der chilenischen Künstlerin Lilian Moreno Sánchez ist während der Corona-Pandemie in ihrem Atelier in Augsburg entstanden. Es zeigt unsere Verletzlichkeit, aber auch die innere Kraft, den Wandel in der Welt voranzubringen. Jede Krise ist schlimm, kann aber ein offener Moment sein. Wir bekommen die Möglichkeit, innezuhalten, wieder aufzustehen und uns zu entwickeln. Das Hungertuch weist Wege in die Solidarität, die Hoffnung und die Liebe.

Was sind Hungertücher?

Das Fastentuch (auch als Fastenvelum, Hungertuch, Palmtuch, Passionstuch oder Schmachtlappen bezeichnet) hat den Zweck während der Fastenzeit in katholischen Kirchenhäusern die bildlichen Darstellungen Jesu (Kruzifix) zu verhüllen. Sein Ursprung liegt vermutlich im jüdischen Tempelvorhang begründet, der im Neuen Testament im Zusammenhang mit dem Kreuzestod Jesu mehrfach erwähnt wird.
Die frühesten Erwähnungen vom Brauch, ein Fastentuch vor dem Altar aufzuhängen (es hing in der Regel im Chorbogen der Kirche vor dem Hauptaltar und verhüllte letzteren, wobei es meist zweigeteilt war und so zur Seite gezogen werden konnte), finden sich bereits im 9. Jahrhundert.
Üblicherweise ist das Fastentuch ein schlichtes oder in Weißstickerei gefertigtes, auch mit biblischen Motiven versehenes Tuch. Die Darstellungen reichen von der Heilsgeschichte (Schöpfung bis Weltende) über Tier- und Pflanzenabbildungen bis hin zu ganz außergewöhnlichen Motiven.

Das Fastentuch kann während der gesamten Fastenzeit im Chor hängen (daher lat.velum quadragesimale „Tuch der 40 Tage“, als Bezug auf den Tempelvorhang auch velum templi). In manchen Kirchen wird es vor dem Passions- oder dem Palmsonntag angebracht.

Das Tuch trennt die Gemeinde optisch vom Altarraum und dessen Schmuck und erlaubt der Gemeinde, die Liturgie lediglich hörend zu verfolgen. Zur körperlichen Buße des Fastens tritt eine geistliche. Der volkssprachliche Ausdruck „am Hungertuch nagen“ bezieht sich somit nicht nur auf materielle Armut. Das Fastentuch wurde nach der Komplet des ersten Fastensonntags aufgehängt und blieb bis zur Komplet des Mittwoch in der Karwoche. An Sonntagen und bei besonderen Gottesdiensten wurde es zurückgezogen, regional auch während der Elevation1 bei der heiligen Messe an Werktagen. Manche Fastentücher waren in der Mitte geteilt und konnten nach beiden Seiten auseinandergezogen werden.

Durch diese Tradition wird dem sich anschließenden Osterfest ein noch stärkerer Glanz verliehen. Die Abnahme des Fastentuchs vor der Osternacht soll zeigen, dass Jesus wieder unverhüllt in seiner Göttlichkeit vor den Menschen steht und er den Himmel für diese geöffnet hat.

1) Elevation: In der heiligen Messe der römisch-katholischen Kirche zeigt der Zelebrant beim eucharistischen Hochgebet der Gemeinde nach der Wandlung die Zelebrationshostie und das Blut Christi im Kelch. Danach macht er eine Kniebeuge. Die Elevation wird meist akustisch durch das Läuten der Wandlungsglocken angezeigt.

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Die MISEREOR-Hungertücher 1976 – 2020

MISEREOR hat 1976 die Tradition der historischen Hungertücher neu aufgegriffen und ihr in über 40 Jahren weltweite Resonanz verschafft.
Meist von Künstlern und Künstlerinnen aus dem Süden gemalt, ermöglichen die MISEREOR-Hungertücher eine Begegnung mit dem Leben und dem Glauben von Menschen anderer Kulturen. Kunst ist mehr als schöner Schein: Sie ist Element der Gestaltung gemeinschaftlichen Lebens und wesentlicher Teil von Emanzipationsprozessen. Sie ist immer auch Anfrage an uns und unseren Lebensstil.

Das Begleitheft zu den MISEREOR-Hungertüchern 1976-2020 bieten wir ► hier zum Download an.

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