Wie entsteht der Sonntags-Streaming-Gottesdienst in der Pfarrei Heilige Edith Stein?

Interview mit dem Verantwortlichen Dr. Paul Landwich

Nach der Absage des Bistums Speyer aller Gottesdienste und pfarrlichen Veranstaltungen am 13. März wegen der Coronakrise wurden Verantwortliche in der Pfarrei Heilige Edith Stein aktiv und suchten nach einer Möglichkeit, dennoch die Gläubigen an einem Gottesdienst teilnehmen zu lassen. Nach zahlreichen Telefonaten, E-Mails und Kurznachrichten wurde eine Lösung gefunden. Denn Dank der Bereitschaft von Pfarreimitglied Dr. Paul Landwich konnte ein Streamingdienst eingerichtet werden, so dass seit dieser Zeit ein Sonntagsgottesdienst ► über die Pfarreihomepage und einen Youtube-Kanal „live“ ausgestrahlt werden kann. Somit war den Gläubigen die Möglichkeit geboten, ab 15. März einen Sonntagsgottesdienst vor ihren Bildschirmen zu Hause, außerhalb mittels Smartphones und sogar zu späteren Zeitpunkten mitzufeiern. Auch die Homepage der Pfarrei ist Dank Pfarreimitglied Jürgen Reimer bestens organisiert und erleichtert den Weg zu den einzelnen Informationen und Gottesdiensten.

Während der Übertragung werden dabei die Gemeindelieder eingeblendet, so dass die Gelegenheit zu Hause zum Mitsingen besteht. Fanden die ersten Gottesdienste in der St. Laurentiuskirche statt, werden sie nun seit 10. Mai in der St. Jakobuskirche „live“ übertragen. Zudem können in allen drei Kirchen seit 6. Mai wieder öffentlich Messen gefeiert werden, allerdings verbunden mit Zugangsbeschränkungen und Hygieneauflagen. Deshalb werden die Sonntagsgottesdienste in St. Jakobus nach wie vor übertragen, zumal sich diese Messfeiern seit Beginn regen Zuspruchs erfreuen. Doch der Aufwand, der auch Vor- und Nachbereitungen umfasst, kommt hier natürlich nicht zum Vorschein. Deshalb ist es  interessant, sozusagen auch mal einen Blick „hinter die Kulissen“ zu wagen und den Hauptverantwortlichen über den technischen Ablauf zu befragen.

Herr Dr. Paul Landwich: Wie ist diese Art von Gottesdienstübertragungen zustande gekommen und wie kamen Sie zu dieser ehrenamtlichen Aufgabe, die sie jeden Sonntag übernehmen?

Ich wurde am Samstag, den 14. März von der Pfarreiratsvorsitzenden Dorothea Jansen angerufen, die über ihren Pfarreiratskollegen Jürgen Reimer erfahren hatte, dass ich beruflich in der IT tätig bin. Sie fragte mich, ob man den morgigen Gottesdienst live übertragen könne und ob ich bereit wäre, dies zu übernehmen. Nach kurzer Abwägung der technischen Möglichkeiten habe ich zugesagt und so haben wir am 15. März die erste Übertragung gestartet.

Welche Vorbereitungen waren zu Beginn erforderlich?

Für die erste Übertragung, die wir quasi ad hoc auf die Beine gestellt haben, hatte ich ja kaum Vorbereitungszeit und deshalb kam auch nur ein Smartphone zum Einsatz, mit dem wir live gestreamt haben. Entsprechend bescheiden war die Qualität. Insbesondere die Audioqualität litt sehr unter dem Hall in der Kirche. Danach hatte ich eine Woche Zeit mich intensiver mit dieser Technik zu befassen und konnte zum Glück auf das Wissen meines Mitarbeiters Jannis Schreiner aus Schifferstadt zurückgreifen, der in seiner Freizeit als DJ Olde bundesweit auflegt und auch mit Livestreaming Erfahrung hat. Er gab mir ein paar sehr gute Tipps und lieh mir für den Anfang ein paar seiner Geräte, bis wir unser eigenes Equipment aufgestockt haben. Für eine Verbesserung der Tonqualität mussten dann noch Kabel in der Kirche verlegt werden, damit wir den Ton direkt von den Mikrofonen für das Mischpult abnehmen konnten. Hierfür zeichnete sich Ansgar Müller-Wissman verantwortlich. Die zweite Übertragung wurde mit diesen Vorbereitungen dann schon wesentlich besser und ab der dritten Übertragung waren wir mit der Qualität zufrieden.

Welches Equipment wird dazu benötigt?

Momentan haben wir eine Videokamera für die Nahaufnahmen, ein Smartphone für die Totale, ein Raummikrofon für die Orgel bzw. musikalische Gruppierungen, ein Mischpult und ein Laptop im Einsatz. Wir haben immer geschaut, dass wir mit wenig finanziellem Aufwand eine gute Qualität hinkriegen. Und ich denke, dass ist uns gelungen.

Wie groß ist der Aufwand für die Vor- und Nachbereitung?

Nachdem sich jetzt alles eingespielt hat, habe ich ca. 1 Stunde Vorbereitung. Da wir live übertragen und auch das meiste Equipment in der Kirche verbleibt und nicht abgebaut werden muss, sind so gut wie keine Nacharbeiten nötig.

Steht Ihnen ein Technikteam zur Seite?

Momentan übertrage ich alleine, aber zu meiner Unterstützung kann ich glücklicherweise auf Dorothea Jansen, Ansgar Müller-Wissman und Jürgen Reimer zurückgreifen.

Wie haben Sie die jeweiligen Zelebranten mit eingebunden bzw. wie erfolgen die Absprachen?

Einleitend möchte ich erwähnen, wie toll sich die Zelebranten auf die Technik und diese besondere Art des Gottesdienstes eingelassen haben. Auch wenn der übertragene Gottesdienst kein Gottesdienstbesuch im Sinne einer versammelten Glaubensgemeinschaft ist und zudem keine Kommunion empfangen werden kann, war er vielen Personen ein wichtiger Fixpunkt in diesen schwierigen Zeiten.

Absprachen gab es vor allem am Anfang, als wir uns alle in diese spezielle Form des Gottesdienstes einfinden mussten. In der Karwoche haben wir uns zudem vor Ort getroffen und sind die Abläufe für die Gottesdienste bis Ostermontag gemeinsam durchgegangen, da die Liturgie dieser Tage doch etwas komplexer ist. Für die normalen Gottesdienste gibt es heute lediglich einen Informationsaustausch bezüglich des Liedplans oder wenn ein Zelebrant mal ein Bild oder eine Fotografie eingeblendet haben möchte.

Wie ist die musikalische Begleitung an der Orgel und der Gesang in Kleingruppen technisch machbar?

Für diesen Zweck haben wir extra ein Stereo-Raummikrofon angeschafft, mit dem man sehr gut die Orgel oder auch kleine Gesangsgruppierungen aufnehmen kann. Wir können aber auch auf weitere Mikrofone der Kirchengemeinde zurückgreifen und diese am Mischpult anschließen.

Wieviele Gläubige verfolgen diese Gottesdienste durchschnittlich?

Die Anzahl der Gläubigen kann man nur schätzen, da lediglich die Zahl der live zugeschalteten Geräte ermittelt wird. Wir hatten während der Osterzeit bis zu 90 Geräte, die uns live verfolgt haben und wenn man nun annimmt, dass im Schnitt 2 Personen davor sitzen, kommen wir auf 180 Gläubige, die den Gottesdienst angeschaut haben. Diese Zahlen sind, nachdem nun wieder Gottesdienste besucht werden dürfen, natürlich gesunken und haben sich bei 30-35 Geräte eingependelt, was aber immerhin noch ca. 70 Personen sind, die uns virtuell besuchen. Zudem sind alle Gottesdienste weiterhin eine Woche lang nachträglich aufrufbar und dort verzeichnen wir ca. 50 Besuche pro Gottesdienst.

Bericht: Inge Schade


Anmerkung der Redaktion:

Seit Gottesdienste in unserer Pfarrei live gestreamt, d.h. über das Internet übertragen werden, melden sich immer mal wieder Gläubige persönlich, telefonisch oder per Mail und bedanken sich für das Engagement, welches seit 15.03.2020 dahinter verbirgt.
Darüber freuen sich alle Mitglieder des Technikteams!

Dieser Danke gilt aber besonders Dr. Paul Landwich, der sich seit 15. März 2020 Sonntag für Sonntag (und dazu kommen noch die Vor- und Nachbereitungzeiten) für das Streaming der Gottesdienste einsetzt.