Beispielland Indonesien

Indonesien? Klar, schon mal gehört!
Doch wo liegt das Land genau, woher hat es seinen Namen und wie leben die Menschen dort? Einige Zahlen, Fakten und Superlative zum diesjährigen Beispielland der Sternsingeraktion und seinen Bewohnern.

Mit rund zwei Millionen Quadratkilometern ist Indonesien der größte Flächenstaat Südostasiens und etwa fünfeinhalb Mal so groß wie Deutschland. Mehr als 17.000 Inseln verhelfen dem Land außerdem zu einem weiteren Rekord: Es ist der größte Inselstaat der Welt. Bewohnt ist allerdings nur etwa ein Drittel der Inseln zwischen Pazifik und Indischem Ozean. Die wichtigsten sind Sumatra, Java, Borneo, Sulawesi und Neuguinea.

Der Name Indonesien leitet sich aus den griechischen Worten "Indo" für Indien und "Nesos" für Insel ab. Die genaue Anzahl der Inseln variiert: Zuletzt zählte die Regierung mithilfe von Satellitenbildern 18.108 Inseln, 584 mehr als bei der vorherigen Zählung. Gleichzeitig verliert Indonesien Inseln, zum Beispiel durch Gerichtsurteile wie bei der Unabhängigkeitserklärung Osttimors im Jahr 2002. Hauptgrund für Inselverluste ist jedoch der Klimawandel und der damit einhergehende Anstieg des Meeresspiegels. So werden Forschern zufolge bis zum Jahr 2050 rund 1.500 kleine und tiefliegende Inseln vom Meer überflutet.

Rasantes Bevölkerungswachstum

Im Jahr 1950 hatte Indonesien 69 Millionen Einwohner, 50 Jahre später waren es bereits rund 212 Millionen – und die Bevölkerung ist seither weiter stark gewachsen. Heute leben etwa 275 Millionen Menschen im Land, die rund 300 Volksgruppen angehören. Die Bevölkerungsdichte ist dabei unterschiedlich. Auf Java befinden sich die am dichtesten besiedelten Provinzen Jakarta und Yogyakarta. Sumatra oder der indonesische Teil Borneos sind dagegen dünn besiedelt. Zwar hat sich das Bevölkerungswachstum in den letzten Jahrzehnten etwas verlangsamt, dennoch kommen jährlich durchschnittlich drei Millionen Einwohner dazu. Bis 2050 soll die Einwohnerzahl Indonesiens auf 300 Millionen ansteigen. Aktuell sind etwa ein Viertel der Bevölkerung Kinder bis 14 Jahre. Das Durchschnittsalter liegt bei etwa 31 Jahren.

Vulkane – Fluch und Segen

Indonesien liegt auf dem Pazifischen Feuerring, der weltweit geologisch aktivsten Region. Dort stoßen mehrere tektonische Platten aufeinander. Das führt regelmäßig zu Erdbeben und Vulkanausbrüchen mit Lavaströmen, Schlammlawinen oder Tsunamis. Seit Beginn der Aufzeichnungen wurden mehr als 1.100 Vulkanausbrüche dokumentiert. Viele indonesische Inseln sind vulkanischen Ursprungs. Heute gibt es in Indonesien rund 130 aktive Vulkane – mehr als in jedem anderen Land. 65 von ihnen gelten als gefährlich. Weihnachte 2004 löste ein Seebeben vor der Insel Sumatra einen gewaltigen Tsunami aus, rund 230.000 Menschen in Indonesien und den Nachbarländern starben. Doch die Menschen profitieren auch von den Vulkanen: Die fruchtbaren Hänge verhelfen ihnen zu guten landwirtschaftlichen Erträgen. Und die Vulkane locken internationale Touristen nach Indonesien – etwa in den Nationalpark Bromo Tengger Semeru. Auch im Glauben vieler Indonesier spielen Vulkane eine wichtige Rolle. So ist zum Beispiel der Name Bromo vom hinduistischen Schöpfergott Brahma abgeleitet. Gläubige Hindus pilgern zum Krater des Bromo und bringen Opfergaben dar.

Bedrohte grüne Lunge

Denkt man an Regenwald, fällt einem sofort die Amazonas-Region ein. Was kaum jemand weiß: Das artenreichste Wald-Ökosystem und einen der größten Regenwälder weltweit gibt es in Indonesien. Zahlreiche Arten, Gattungen, Tier- und Pflanzenfamilien kommen nur hier vor. Neben Sumatra-Tigern und Orang-Utans gibt es in Indonesien auch Baumkängurus oder Komodo-Warane. Obwohl sich viele Organisationen für den Erhalt dieser einzigartigen Natur einsetzen, wird immer mehr Wald gerodet, um Flächen für die Palmöl- oder Papierherstellung zu gewinnen. Hinzu kommt der Druck durch eine rasant wachsende Bevölkerung. Tiere verlieren ihre natürliche Umgebung, viele Menschen ihre Existenzgrundlage. Weitere Folgen sind Landkonflikte und Migration, Erosion, Dürre und zunehmende Waldbrände. Die Zerstörung des Regenwaldes spiegelt sich auch im Artenbestand: Indonesien ist das Land mit den meisten vom Aussterben bedrohten Tier- und Pflanzenarten weltweit.

Neue Hauptstadt im Regenwald

Die indonesische Hauptstadt Jakarta (sprich: Dschakarta) liegt im Nordwesten der Insel Java, dem politischen und wirtschaftlichen Zentrum des Landes. Mehr als die Hälfte der Indonesier lebt in Städten, die Urbanisierung nimmt jährlich um etwa 2,7 Prozent zu. In Indonesien gibt es zwölf Millionenstädte. Jakarta mit rund 8,5 Millionen Einwohnern ist die größte, gefolgt von Surabaya (2,4 Millionen) und Medan (1,8 Millionen). Verstopfte Straßen und Smog sind in den Metropolen an der Tagesordnung. Außerdem kommt es immer wieder zu starken Überschwemmungen. 40 Prozent Jakartas liegen unter dem Meeresspiegel, der ständig steigt. Bis zum Jahr 2050 droht die Stadt im Meer zu versinken. Daher plant die indonesische Regierung den Umzug der Hauptstadt auf die Insel Borneo. Umgerechnet 28 Milliarden Euro soll die neue Hauptstadt namens Nusantara kosten. 6.000 Hektar Regenwald will man für den neuen Präsidentenpalast und weitere Regierungsgebäude roden. Geplant ist, dass schon im Jahr 2024 erste Behörden ihre Arbeit in Nusantara aufnehmen.

Glaube und Religion

Mit rund 230 Millionen Muslimen hat Indonesien die größte muslimische Bevölkerung weltweit, gefolgt von Pakistan (180 Mio.) und Indien (172 Mio.). Von 100 Indonesiern sind 87 Muslime, sieben Protestanten, drei Katholiken, zwei Hindus und einer Buddhist. Auf Bali und Ost-Java leben die meisten Hindus. Der Islam ist in Indonesien nicht Staatsreligion, allerdings muss jeder Bürger einer der fünf Religionen angehören – Islam,
Christentum, Buddhismus, Hinduismus oder Konfuzianismus. Angehörige mancher Volksgruppen bekennen sich öffentlich zu einer dieser Religionen, leben im Alltag jedoch weiterhin ihren traditionellen Glauben.

Wirtschaftswachstum

In den vergangenen Jahrzehnten hat Indonesien ein beeindruckendes Wirtschaftswachstum erreicht und ist heute die größte Volkswirtschaft
Südostasiens. Der größte Arbeitssektor ist das Dienstleistungsgewerbe, hier arbeiten 47 von 100 Angestellten. Ein Großteil der Menschen ist im Tourismus tätig – in Restaurants, Hotels oder als Verkäufer. Darunter sind auch viele Kinder, die häufig ausgebeutet werden. Rund ein Drittel der Indonesier arbeitet in der Landwirtschaft. Das Land exportiert Palmöl, Früchte, Gewürze, Reis und zahlreiche weitere landwirtschaftliche Erzeugnisse.

Indonesisch Kochen: Nasi Goreng

Große Ungleichheit

Zwar hat Indonesien bei der Armutsbekämpfung große Fortschritte gemacht, dennoch sind nach dem Index für menschliche Entwicklung der Vereinten Nationen 21,5 Prozent der Bevölkerung arm oder armutsgefährdet. Durch die Corona-Pandemie hat sich die wirtschaftliche und soziale Situation zusätzlich verschlechtert. Der Human Capital Index der Weltbank sagt voraus, dass Lernverluste durch pandemiebedingte Schulschließungen die nächste Generationen benachteiligen werden. Zudem ist in Indonesien Korruption weit verbreitet. Im Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International belegt Indonesien Platz 96 von 180 Ländern (Deutschland: Platz 10). Menschenrechtsgruppen berichten aus einigen Landesteilen auch von schweren Menschenrechtsverletzungen: Polizei- und Sicherheitskräften werden massive Gewaltanwendung, Folter und Missbrauch vorgeworfen. Auch im Kampf gegen Drogen gibt es drakonische außergerichtliche Strafen.

Die ALIT-Stiftung in Indonesien ist das Beispielprojekt der Sternsingeraktion. Sie setzt sich für die Rechte von Kindern ein und kümmert sich um Mädchen und Jungen, die aus unterschiedlichen Gründen gefährdet sind oder Opfer von Gewalt wurden.

Hinweis zum Projektland

Jedes Jahr stehen ein Thema und Beispielprojekte aus einer Region exemplarisch im Mittelpunkt der pädagogischen Materialien zur Vorbereitung auf die Aktion Dreikönigssingen. Die Spenden, die die Sternsinger sammeln, fließen jedoch unabhängig davon in Hilfsprojekte für Kinder in rund 100 Ländern weltweit.
Wir als Schifferstadter SternsingerInnen unterstützen mit Genehmigung des Kindermissionswerkes wieder insbesondere die in unseren Gemeinden bekannten Projekte:

  • Hogar Campo in Chile
  • Manthoc in Cajamarca, Peru
  • Organisation von Pater Paul Oden in Iquique, Chile
  • Kinderheim St. Michael in Bogota, Kolumbien 

Sternsingerfilm zur Sternsingeraktion 2023

Unterwegs für die Sternsinger: Kinder schützen, Kinder stärken. Der Film von Reporter Willi Weitzel stellt die Arbeit der ALIT-Stiftung in Indonesien vor. Er erklärt, welche Rechte Kinder haben und wie sich Mädchen und Jungen besser vor Gefahren schützen können. Zugleich macht der Film deutlich: Kinderschutz ist die Aufgabe von Erwachsenen.
Den Film gibt es hier auf unserer Seite.

Sternsinger-Magazin Spezial

Das Sternsinger-Magazin nimmt junge Leserinnen und Leser mit ins Beispielland Indonesien und stellt Diva (11) und Ilham (12) vor, die im ALIT-Projekt Unterstützung und Stärkung erfahren. Außerdem alles zum neuen Film mit Willi Weitzel und ein Interview mit einer Mitarbeiterin der "Nummer gegen Kummer".
Das Magazin hier zum Download.