Montag, 15. Juni 2026
"Ein mutiger Schritt für die Zukunft"
Diözesanversammlung im Bistum Speyer beschließt Grundpfeiler für die Pfarreistrukturreform
Die ► Diözesanversammlung im Bistum Speyer hat den Weg für die Zukunft geebnet: In einer Sondersitzung im Kloster Neustadt widmete sie sich am Samstag, 13. Juni, dem Thema Pfarreistrukturreform. Der Vorsitzende Theo Wieder begrüßte die Teilnehmenden und erinnerte an das Motto des diesjährigen Katholikentags in Würzburg: "Hab Mut, steh auf". Er wünsche auch der Diözesanversammlung Mut – "Mut, für neue Wege, Mut, für die Zukunft und für optimistische, zukunftsfähige Entscheidungen".
Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann griff diesen Gedanken auf: "Wir stehen heute vor einem großen Einschnitt, und dafür braucht es großen Mut." Es gehe darum, die pastoralen Strukturen neu aufzustellen, um die Kirche missionarisch und geistlich in die Zukunft zu führen, so dass die Menschen auch in den neuen, größeren Räumen Beheimatung erfahren: "Eigeninitiative soll gefördert, Ehrenamtliche sollen kompetent begleitet werden und Kirche soll stärker in die unterschiedlichen Lebenswelten hineinwirken." Es brauche "mutige Schritte für die Zukunft, damit die Vielfalt von Kirche auch Morgen gefördert und lebendige Realität wird." Er rief die Mitglieder dazu auf, sich vom "Mut zum Aufbruch" leiten zu lassen, um die Kirche "lebendig in die Zukunft zu führen".
Zu Beginn der Sitzung präsentierten Thomas Bauer und Alexander Hunt-Radej aus der im Bischöflichen Ordinariat zuständigen Steuerungsgruppe die Auswertung der Resonanzen in der zweiten Beratungsphase – diese resultieren aus Dekanatsbesuchen, Resonanzveranstaltungen für verschiedene Berufsgruppen, Rückmeldungen per Mail sowie einem digitalen Fragebogen.
Die zuständigen Arbeitsgemeinschaften und die leitende Steuerungsgruppe haben aus diesen Ergebnissen zwölf Voten entwickelt. Diese wurden der Versammlung von Generalvikar Markus Magin, Kerstin Fleischer, Marius Wingerter, Martin Fischer und Wolfgang Jochim aus der Steuerungsgruppe vorgestellt und zur Abstimmung vorgelegt. Generalvikar Markus Magin betonte: "Es geht heute nicht darum, nur Stimmungsbilder einzuholen. Es geht darum, durch die heutigen Entscheidungen die Basis für die Weiterarbeit zu legen. Wenn wir diese Basis nicht bauen, haben wir kein Fundament, auf dem wir weiterbauen können."
Neustrukturierung des Bistums
Die Versammlung stimmte einstimmig für die künftige Einrichtung zweier pastoraler Strukturebenen – die Pfarrei als Strukturierungs- und Koordinationsebene, die Gemeinden als Orte konkreter lebendiger Gestalt von Kirche. Zudem wurden die territorialen Grenzen für die künftigen Pfarreien festgelegt. Diese orientieren sich in großen Teilen an den Grenzen der bisherigen Dekanate. Im Norden des Bistums werden die neuen Pfarreien Kaiserslautern-Donnersberg (bestehend aus den bisherigen Pfarreien Feilbingert, Göllheim, Kaiserslautern Stadt, Kirchheimbolanden, Otterberg, Rockenhausen, Winnweiler) sowie Landstuhl-Kusel (bestehend aus den bisherigen Pfarreien Kusel, Landstuhl, Lauterecken, Queidersbach, Ramstein-Miesenbach, Schönenberg-Kübelberg) gegründet. Es wird zudem kleine Veränderungen bei der neuen Zuordnung einzelner Gemeinden geben – die künftige Verortung der Pfarrei Martinshöhe bleibt zudem auf Wunsch der Pfarrei noch offen (siehe dazu auch Votum 2 auf der ► Website des Bistums).
Gemeinden als Orte gelebten Glaubens
In den aktuellen Pfarreien sollen die Pfarreiräte Prozesse zur Bildung der künftigen territorialen Gemeinden anstoßen. Dabei ist es möglich, die bestehende Pfarrei in eine Gemeinde zu transformieren; es können aber auch solche mit neuen Grenzen gegründet werden. Künftig sollen im Rahmen einer Gemeindeversammlung oder im Rahmen der Pfarrgremienwahl Gemeindeteams gebildet werden, die unter anderem an der Verwaltung des Vermögens mitwirken und sich um die Anliegen vor Ort kümmern.
Schaffung neuer Gremien
Die neuen Pfarreien werden von einem dreiköpfigen Pfarreivorstand geleitet, bestehend aus dem leitenden Pfarrer, einem Pfarreireferenten/einer Pfarreireferentin sowie einer Pfarramtsleitung. Die Positionen der leitenden Pfarrer werden in einem vierstufigen Verfahren besetzt, die Bewerber müssen an einer dafür vorgesehenen Schulung verpflichtend teilnehmen. Die Ernennung zum leitenden Pfarrer wird in der neuen Struktur auf sechs Jahre begrenzt, eine einmalige Verlängerung ist möglich. Spätestens nach zwölf Jahren muss ein Wechsel erfolgen, eine erneute Ernennung zum leitenden Pfarrer andernorts ist möglich. Diese Regelung gilt auch für die Position des/der Pfarreireferenten/-in. Die Diözesanversammlung beschloss zudem, die pastoralen Mitglieder des Pfarreivorstandes vorab gründlich und zielgerichtet auf ihre Aufgaben hin zu qualifizieren – auch die Pfarramtsleitungen und alle Mitglieder der Pastoralteams werden entsprechend geschult.
Zur Förderung und Koordinierung des Laienapostolates stimmte die Versammlung für die Einrichtung eines Pfarrsynodalrates in den künftigen Pfarreien. Dieses Gremium soll künftig gemeinsam mit dem Pfarreivorstand die Leitungsverantwortung für die Pfarreien übernehmen. Darüber hinaus wird in jeder Pfarrei ein Verwaltungsrat gebildet, der das Vermögen der Kirchengemeinde verwaltet. Die Verwaltung der künftigen Pfarreien soll in einem zentralen Pfarrbüro am Pfarrsitz zentralisiert werden. Darüber hinaus werden in den derzeitigen Pfarrbüros Kontaktbüros eingerichtet, die einen Teil der Verwaltungsaufgaben dezentral übernehmen können.
Mit Beschluss der Diözesanversammlung wird die Bistumsverwaltung gebeten, ein synodal angelegtes Konzept zur künftigen geistlichen und pastoralen Schwerpunktsetzung auszuarbeiten. Zudem sollen die ökumenischen Perspektiven, unter anderem in Zusammenarbeit mit der protestantischen Landeskirche der Pfalz, erweitert werden.
Schließlich wurde entschieden, dass das Bischöfliche Ordinariat bis zur nächsten Diözesanversammlung am 31. Oktober einen Projektphasenplan erstellt – einschließlich eines Datums zur Umsetzung der Pfarreistrukturreform. Bischof Wiesemann zeigte sich zum Abschluss dankbar für die deutlichen Voten und den breiten Konsens, ebenso für das konzentrierte und verantwortungsbewusste Miteinander: "Es war mir ein großes Anliegen, dass die Diözese heute Klarheit über den Weg in die Zukunft gewinnt."
Die Tagung der Diözesanversammlung endete mit einem bewegenden Gänsehautmoment. Nachdem alle Voten intensiv beraten und meist mit großer Einmütigkeit verabschiedet waren, erhoben sich alle Teilnehmenden von ihren Plätzen und stimmten nach einem Moment der Besinnung den Taize-Gesang "Laudate omnes gentes" an.
Die bisherige Entwicklung des Prozesses, auch in unserer Pfarrei, finden Sie ► hier auf unseren Sonderseiten.
Bericht und Bilder: ©Bistum Speyer
Abstimmung bei der Diözesanversammlung im Kloster Neustadt
Bischof Wiesemann bei seinem Grußwort im Rahmen der Diözesanversammlung
Die Diözesanversammlung im Bistum Speyer tagte am Samstag zum Thema Pfarreistrukturreform
Die von der Diözesanversammlung beschlossene, neue territoriale Aufteilung des Bistums in neun Pfarreien






