Strukturreform des Bistums Speyer beim Workshop auf dem Prüfstand

Fazit: Noch vages Konzept mit offenen Fragen und großer Überforderungsgefahr

"Wir leben in einer Zeit, in der vieles im Umbruch ist. Auch wir im Bistum suchen einen neuen Weg", hob Pfarrer Stefan Mühl zu Beginn des zweiten Teiles der Pfarrversammlung hervor. Diese fand im Rahmen eines "Workshops" am Donnerstagabend, 19. März, im Pfarrheim St. Jakobus statt. Im Mittelpunkt stand dabei der überarbeitete Entwurf der Strukturreform des Bistums Speyer mit dem Titel "Ein Segen sollt ihr sein". Nachdem er am 24. Februar vorgestellt wurde (das Schifferstadter Tagblatt veröffentlichte hierzu diesen Bericht), ging es dieses Mal um Beratungen in Kleingruppen anhand der Leitfragen: "Was erkennen wir als hilfreich für unsere Praxis? Wo stimmen wir zu? Was gefällt uns noch nicht? Welche besseren Ideen haben wir? Wo  haben wir noch Klärungsbedarf? Was möchten wir rückmelden?"

Die Einführung in einige Bereiche der Strukturreform hatten Pfarrer Stefan Mühl, Johannes Gütter, Michael Hammer, Hannah Pietruschka, Mitglieder des Pfarreirates und Jürgen Reimer, Vorsitzender des Pfarrerates übernommen. Unterstützt wurden sie außerdem von Diakon Helmut Weick, Pastoralreferent Heinrich Schmith und Hubert Mathes, derzeit Praktikant in der Pfarrei.

Zur Erinnerung: Die zur Zeit 70 Pfarreien im Bistum sind in absehbarer Zukunft nicht mehr möglich. Deshalb werden aus den bestehenden 10 Dekanaten 9 große Pfarreien gebildet. Jede Pfarrei erhält dann einen definierten Pfarrsitz. Die Festlegung erfolgt nach einem Kriterienkatalog, wie zum Beispiel die geographische Lage, Erreichbarkeit und die kirchliche Präsenz. Die große Pfarrei wird von einem Pfarrer geleitet. Somit trägt er die Gesamtverantwortung. Unter der Leitung des Pfarrers soll aber ein Pfarreivorstand gebildet werden, der gemeinsam im Sinne einer Geschäftsführung die Pfarrei leitet. Diese ist Koordinationsraum und Verwaltungsträger, Ort kollegialer Verantwortung, pastoraler wie organisatorischer Leitung und gemeinsamer Ausrichtung.

In sechs Gruppen folgte an diesem Abend ein intensiver Austausch mit Ergebnissen, die anschließen vorgetragen wurden.

Die neuen pastoralen Räume

(von 10 Dekanaten zu 9 Pfarreien):

Hier sieht man die Entlastung der Pfarrer (ohne Leitungsfunktion) in der Verwaltung als positiv. Möglicherweise entstehen auch mehr Freiheiten im Gemeindeleben vor Ort. Negativ gesehen wurden die längeren Fahrzeiten der Hauptamtlichen als möglichen Hinderungsgrund für stärkeres Engagement. Als Idee wurden kleinere Einheiten statt der 9 Pfarreien als besser empfunden. Hauptamtliche werden "gezwungen", sich an viel mehr örtliche Gegebenheiten anzupassen, was insgesamt eine riesige Herausforderung ist und zu massiver Überforderung führen kann. Daraus entsteht unwillkürlich größere Distanz zu den Gemeindemitgliedern. Hier kann keine "Heimat" entstehen, wenn man immer an anderen Orten sein muss. Geklärt werden muss auch, wo die notwendigen Ehrenamtlichen herkommen sollen, die sich umfassend engagieren, wie das Ehrenamt gefördert und wie mehr Ausbildungsangebote zugänglich gemacht werden können. Ebenso sollte der Fokus stärker auf die Frauen gelenkt werden, die sich engagieren wollen, aber noch immer benachteiligt werden. Außerdem soll die Kompetenzverteilung der Gemeinde geregelt werden.

Rückmeldung:
Absolut notwendig ist, die zur Zeit tätigen Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen nicht zu "verheizen".

Die Pfarrei

Hilfreich ist der Pfarreivorstand und das Pastoralteam, welches die noch zu bildenden Schwerpunktteams (mit spezifische Aufgaben im Bereich Pastoral, Bildung oder Caritas, die die ganze Pfarrei betreffen) unterstützt. Noch nicht bekannt sind beim neuen Gremium "Pfarreikonferenz" (zentrales synodales Organ der Pfarrei, das zweimal im Jahr tagt und Schwerpunkte und Ziele für die Pfarrei festlegt), deren tätige Mitglieder und wie diese gewählt werden. Und auch der neue "Pfarreiausschuss" (operatives Gremium von 10 bis 18 Personen, das aus der Mitte der Pfarreikonferenz gebildet wird) kann überfordert werden durch die Vorgaben der "Pfarreikonferenz". Klärungsbedarf besteht auch darin, welche Voraussetzungen, Kenntnisse und Fachwissen die Ehrenamtlichen haben müssen und wie umfangreich deren Arbeit sein wird. Des weiteren ist die Umsetzung in den Gemeinden noch offen.

Rückmeldung:
Auch hier wird eine Verheizung im Ehrenamt befürchtet und der Pfarreivorstand mit zu vielen Aufgaben konfrontiert. Es erscheint sehr schwierig, tragfähige Ergebnisse zu erzielen.

Die Gemeinden

Es wird als gut empfunden, dass die Gemeinde befähigt wird (und mit ihr ehrenamtliche Engagierte), das Gemeindeleben zu gestalten, zu verwalten, so dass Nähe und verlässliche Beheimatung erhalten bleiben kann. Es wurde allerdings noch nicht mitgeteilt, wie das Leben und Arbeiten in der Gemeinde finanziert wird. Auch ist noch nicht bekannt, wie der Proporz geregelt ist bei der Vertretung der Gemeinden auf Pfarreiebene bei kleinen, mittelgroßen und großen Gemeinden.

Rückmeldung
Die Gefahr der Überforderung der Ehrenamtlichen wird auch hier befürchtet. Es besteht die Notwendigkeit, dass die zur Zeit tätigen Hauptamtlichen so arbeiten, dass die Gemeinden auf die Zeit ohne Hauptamtlichen vorbereitet werden.

Weitere Formen der Vergemeinschaftung

(innerhalb der Pfarreien und darüber hinaus)
Hervorgehoben wird die Offenheit für andere Konfessionen, was durchaus eine Orientierungshilfe ist, die personenbezogener und sich an Fähigkeiten und Stärken ausrichten kann. Dennoch muss geklärt werden, wie man eine Vergemeinschaftung realisiert.

Rückmeldung:
Die Vorschläge zur Vergemeinschaftung sind sehr gut.

Ökumene

Sie soll vermehrt praktiziert werden, um die Kirche lebendig zu halten mit kreativen Lösungen vor Ort. Gewünscht wird mehr Klartext im Hinblick auf eine gemeinsame ökumenische Abendmahlsfeier mit größerem Fokus auf  gemeinsame Gottesdienste.

Rückmeldung:
Es wird die volle Anerkennung des Glaubens gewünscht, so dass beispielsweise ein evangelischer Christ Taufpate bei einem katholisch zu Taufenden sein kann. Konkreter Fokus soll auch auf die Jugendarbeit gesetzt werden mit Vernetzung gemeinsamer Anlaufstellen und Freizeitangebote.

Verwaltung in der neuen Pfarrei

Positiv ist, dass die Seelsorger in der Verwaltungsarbeit entlastet sind und die bisherigen Pfarrbüros weiterhin Anlaufstellen bleiben. Die vorgesehene Struktur ist in sich schlüssig. Ungewiss ist aber, wie den einzelnen Gemeinden Rechnung getragen wird und wie weit ihre Befugnisse gehen. Fraglich ist auch, wie der Informationsfluss von der Pfarreileitung zum Verwaltungsrat funktionieren soll und welche Interventionsmöglichkeiten der Verwaltungsrat hat. Nicht definiert ist auch die Wahlstruktur für den Verwaltungsrat, wie ein Ehrenamtlicher die Aufgaben erfüllen kann, wie der Ablauf und die Finanzierung der notwendigen Entscheidungen vor Ort ist sowie die Schulung und Begleitung von Ehrenamtlichen aussehen soll.

Rückmeldung
Es wird als wichtig angesehen, dass die Fragen auf Bistumsseite ernst genommen werden und auch eine Rückmeldung erfolgt.

Ein wichtiges Thema wurde an diesem Abend mehrfach angesprochen: "Wie geht es weiter mit den Kirchenstiftungen?" Dies habe im Entwurf der Strukturreform bisher keinerlei Berücksichtigung gefunden. Pfarrer Stefan Mühl erklärte, dass sie grundsätzlich erhalten blieben, solange sie nicht zweckentfremdet würden. Die Verwaltung der Kirchenstiftungen übernehme die Pfarrei im Rahmen des jeweiligen Stiftungszweckes.
"In diesem Entwurf ist tatsächlich noch vieles vage und muss ausgearbeitet werden", wies Jürgen Reimer darauf hin.

Die an diesem Abend erarbeiteten Anregungen und Bedenken werden zusammengefasst in den Dekanatsrat und das Ordinariat eingereicht. Der Dekanatsrat wird am 29. April mit der Bistumsleitung zusammentreffen und eben diese Punkte vortragen.

Der Fahrplan des Bistums sieht vor, dass ab Mai 2026 die Diözesanversammlung über die Eingaben berät. Die endgültige Verabschiedung der Strukturreform soll voraussichtlich im November 2026 durch die Diözesanversammlung erfolgen. An deren Votum will sich Bischof Karl-Heinz Wiesemann gebunden halten.
Danach erfolgt die Ausarbeitung detaillierter Regularien, bevor es an die schrittweise Umsetzung der Reform gehen kann. Die Strukturreform soll dann 2029 in Kraft treten.

Digitale Rückmeldemöglichkeiten für Einzelpersonen, Gruppen, Verbände sind nach wie vor möglich per Mail an: einsegensolltihrsein@bistumspeyer.de und einen digitalen Fragebogen über die Homepage des Bistums.

Bericht: Inge Schade für das Schifferstadter Tagblatt

Alle Informationen zur geplanten Stukturreform finden Sie

Haben Sie Fragen zu dem für uns alle sehr wichtigen Thema, dann sprechen Sie uns, die Mitglieder der Gemeindeausschüsse und des Pfarreirates oder des Pastoralteams gerne an.